Dienstag, 19. Februar 2013

Arequipa & Colca Cañon

Ich bin gerade in der "weissen Stadt", der Hauptstadt des Suedens, Arequipa.
Diese Stadt liegt auf 2335 m und wird von 3 Hausbergen bzw. -vulkanen um weit mehr als 3000m ueberragt. Im Moment sind sie wolkenverhangen, aber noch heute in der Frueh hatte ich eine geniale Sicht darauf.
Das Klima hier ist extrem trocken, es scheint staendig die Sonne und natuerlich ist die Hoehenluft etwas gewoehnungsbeduerftig.

angry green planet








Ich komme auch gerade zurueck von einem 2-taegigen Trek. Dazu mussten wir um 2:30 aufstehen und eine lange Fahrt auf uns nehmen, aber schlussendlich kamen wir in den Colca Cañon. Dieses Tal ist eines der tiefsten der Welt und hier lassen sich unter anderem am fruehen Morgen Condore besichtigen. Das sind die weltgroessten Raubvoegel: Ihre weiss-befiederten Fluegel bekommen eine Spannweite von 3 Metern und sie selbst werden, wenn sie ausgewachsen sind, bis zu 1,4m gross. Das passiert circa im 20 Lebensjahr, in welchem sie sich laut Guide auch verheiraten. Sie leben monogam und bringen sich um, wenn der Geschlechtspartner vor ihnen stirbt. Passiert dies nicht, koenen sie bis zu 100 Jahre alt werden.
Leider hat unser Bus eine Reifenpanne, also kommen wir nur noch dazu wie sich die 7 Exemplare in die Luefte schwingen (sie koennen 6-8 Tausend Meter Hoehe erreichen).


Wir steigen dann ueber 1000 Meter in den Cañon ab, wieder 400 hoch und runter und immer wieder muss ich auf die beidne aelteren "estonian mamas" und Hubert unseren peruanischen Guide warten, was ziemlich ermuedet. Dafuer entlohnt der Ausblick auf die Landschaft und am Weg kosten wir Tunas (Kakteenfruechte), Feigen und Granataepfel, sowie Lucuma und Alpacafleisch.



Schlussendlich kommen wir in der idyllischen Oase an, welche in einer Beuge des Flusses liegt. Lodges, Pools und wunderschoene Gaerten sowie Bier und Abendessen wartet dort auf uns. Hubert moechte sich noch ein Bier teilen und wir plaudern in meiner Huette. Zuerst fragt er mich, ob er in meiner Huette pennen kann, weil er Angst vor Spinnen hat und da ich schon am einnicken bin, ist es mir egal. Er sekkiert mich dann aber eine halbe Stunde, dass er mit mir in meinem Bett liegen will und als er sich dann wirklich zu mir legt, schmeisse ich ihn harsch von der Bettkante. Euda.
Am naechsten Tag steigen wir ab 5 in das Andendorf Cabanaconde auf. Die Wadeln brennen noch vom Vortag, aber trotzdem bezwinge ich langsam die 1120 Meter in 2:15 h. Nicht weltberuehmt, aber die beiden Damen benoetigen fast 4 Stunden, also geniesse ich die Aussicht auf den gegenueberliegenden Gebirgszug, von dem der Amazonas seinen Beginn nimmt.



Beim Fruehstueck kommen wir zu einer Carnevalsfeier der Einheimischen, werden mit Confetti bestreut, mit Girlanden behangen & bekommen rosa Kreide ins Gesicht. Wir muessen Wein und Bier trinken, Zigaretten rauchen und in ein Lagerfeuer werfen, wodurch es der Mutter Erde PACHA MAMA geopfert wird.

Die Rueckfahrt ist ebenso lebensmuede wie die Hinfahrt. Die Fahrer haben eine Vorliebe fuer Ueberholmanoever in unuebersichtlichen Kurven; ist ja auch viel spannender so. Wir schlafen entweder aus Erschoepfung oder aufgrund einem psychologischen Schutzmechanismus wenn wir nicht gerade freilaufende Vicunjas, Lamas oder Alpacas fotografieren muessen.

Inzwischen bin ich wieder in Arequipa zurueck. Ich surfe die Couch von einem witzigen und reichen Peruaner, der das noch nie gemacht hat. Gemeinsam holen wir uns eine Pizza und Bier und geniessen beides bei herrlicher Aussicht auf das abendliche Arequipa und Gespraechen ueber Arbeit, Familie, Freizeit, Gott und die Welt.
In der Nacht fuehle ich mich fiebrig und seit heute morgen plagen mich die aergsten Magen-Darm-Kraempfe. Ich habe echt ein Achilles-Verdauungssystem. Haenge in irgendwelchen prunkvollen Kirchen, Parks, Restaurants und am Klo vom Mc-Donalds ab und haette nun doch lieber ein Hostel, bei dem ich einfach nur im Zimmer anstatt auf einer Treppe in einem kleinen Park rumliegen kann... okay, morgen fahre ich nach Puno.

NACHTRAG: Die Stadt heisst deshalb "die weisse Stadt", weil sehr viele Gebaeude aus Sillargestein (einem weissen Vulkangestein) gefertigt sind. Deren Portale und Saeulen sind meisterhaft behauen und viele haben einen schoenen Innenhof. In der gesamten Innenstadt stoesst man auf diese Gebaeude mit ihren Balkonen oder Kreuzgaengen und man hat staendig das Gefuehl Geschichte zu betreten.

2 Kommentare:

The Joker hat gesagt…

nachträglich noch Infos dazugefuegt.

Andreas hat gesagt…

Teile von deiner Schilderung kann ich total nachvollziehen und ich finde cool, was du alles unternimmst: Im Colca Canyon waren wir auch - aber nur eine Tagestour - und Kondore haben wir nicht einmal eine Handvoll gesehen. Von den Busfahrten möchte ich nicht reden (auch bei uns gab es bei der Rüclfahrt eine Reifenpanne). Herzlich lachen musste ich natürlich bei deinem gleichgeschlechtlichen Genossen-Erlebnis, das sich da angebahnt hat. War das Bett so klein oder was? Wollte wahrscheinlich nur ein wenig die Nähe eines echten Austriaco spüren.... ;-))
Aber der Rest klingt recht entspannt und relaxed, es hört sich echt gut an. Bis eben auf die Magen-Darm-Geschichte, die wahrscheinlich in ein, zwei Tagen vorbei sein wird. Viel trinken (Tee, Säfte!). Wir sind gespannt auf die Nachrichten aus Puno und freuen uns schon darauf.
Allerliebste Grüße
Papa